Pressemitteilung: BDB hegt Zwei­fel an den me­di­en­ge­rech­ten The­sen des Prof. Schre­cken­berg zu Fahr­ver­bo­ten in In­nen­städ­ten - Bin­nen­schiff­fahrt ist nicht der „Buh­mann“ in der NOx-De­bat­te!

BDB hegt Zwei­fel an den me­di­en­ge­rech­ten The­sen des Prof. Schre­cken­berg zu Fahr­ver­bo­ten in In­nen­städ­ten - Bin­nen­schiff­fahrt ist nicht der „Buh­mann“ in der NOx-De­bat­te!

10. April 2018

Da staunt der Laie – und der Fach­mann wun­dert sich: Die Dis­kus­si­on um dro­hen­de Fahr­ver­bo­te von Die­sel-Fahr­zeu­gen in In­nen­städ­ten er­le­digt sich durch den Nach­weis der Nutz­lo­sig­keit die­ser Maß­nah­me. Denn die Stick­oxid­be­las­tung in den In­nen­städ­ten blei­be ober­halb der zu­läs­si­gen Grenz­wer­te, „selbst wenn bis zum Jahr 2030 alle Die­sel-Pkw durch Ben­zin-Pkw er­setzt wer­den. Schuld ist die Bin­nen­schiff­fahrt!“.

Das ist die voll­mun­dig ver­brei­te­te und durch­aus küh­ne The­se des Mi­cha­el Schre­cken­berg, sei­nes Zei­chens Phy­sik-Pro­fes­sor an der Uni Duis­burg-Es­sen. Her­hal­ten für die­se ku­rio­se Be­haup­tung muss frei­lich nicht der Pro­fes­sor selbst, son­dern der von ihm be­treu­te Phy­sik­stu­dent Lenn­art K., der sei­ne Mas­ter­ar­beit die­sem The­ma ge­wid­met hat und sich hier­zu nicht öf­fent­lich äu­ßern möch­te.

Nur we­nig Fach­li­ches ist aus die­ser bis­lang nicht frei zu­gäng­li­chen Ab­schluss­ar­beit des Stu­den­ten be­kannt. Prof. Schre­cken­berg ist Me­di­en­pro­fi und gibt le­dig­lich po­pu­lär­wis­sen­schaft­li­che Häpp­chen via Pres­se­agen­tur und TV-Ex­klu­siv­in­ter­views Preis. Da­bei lö­sen die Er­kennt­nis­se doch ei­ni­ge Nach­fra­gen aus, denn laut den Be­rech­nun­gen der Be­zirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf ent­fal­len zum Bei­spiel nur sie­ben Pro­zent der Stick­oxi­de in der NRW-Lan­des­haupt­stadt auf die Bin­nen­schif­fe; 40 Pro­zent der Emis­sio­nen sind durch Pkw ver­ur­sacht.

Es mag sein, dass Prof. Schre­cken­berg mit der von ihm be­treu­ten Mas­ter­ar­beit ei­nen po­li­tisch ge­woll­ten Bei­trag zur Ver­mei­dung von Die­sel­fahr­ver­bo­ten in den In­nen­städ­ten leis­ten möch­te. Auf Ba­sis der der­zeit vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen ist es aber nicht sach­ge­recht, da­für nun aus­ge­rech­net die Bin­nen­schiff­fahrt zum „Buh­mann“ in der Stick­oxid­de­bat­te zu ma­chen:

Bei der Be­schrei­bung der Un­ter­su­chung spricht Prof. Schre­cken­berg ge­gen­über den Me­di­en aus­drück­lich nur von ei­nem Ver­zicht auf „Die­sel-Pkw“. Die heu­te im Stadt­ver­kehr an­zu­tref­fen­den Lkw und der ge­sam­te Lie­fer-, Bau- und Mon­teurs­ver­kehr, der na­he­zu voll­stän­dig die­sel­be­trie­ben ist, wur­den in der Stu­die also of­fen­bar nicht be­trach­tet. Dann über­rascht das Er­geb­nis, näm­lich wei­ter­hin hohe Stick­oxid­be­las­tun­gen in den In­nen­städ­ten, nicht. Es fin­det sich auch kein Hin­weis dar­auf, dass die zahl­rei­chen an­de­ren mit Die­sel be­trie­be­nen Mo­to­ren, die in In­nen­städ­ten re­gel­mä­ßig an­zu­tref­fen sind, be­rück­sich­tigt wur­den. Zu nen­nen sind etwa im Schie­nen­ver­kehr die Lo­ko­mo­ti­ven und Trieb­wa­gen oder im ÖPNV die Om­ni­bus­se. Und wie sieht es mit den Stick­oxid­emis­sio­nen durch die Hei­zun­gen oder durch die Ver­bren­nungs­pro­zes­se in der In­dus­trie aus? Wur­den alle die­se Emit­ten­ten von dem Stu­den­ten in sei­ner Mas­ter­ar­beit be­rück­sich­tigt, als er für die zu­künf­ti­gen Über­schrei­tun­gen der NOx-Grenz­wer­te al­lein die Schiff­fahrt ver­ant­wort­lich ge­macht hat? Wur­de bei dem ge­wähl­ten Be­trach­tungs­ho­ri­zont „2030“ von ihm be­rück­sich­tigt, dass die Bin­nen­schiff­fahrt ge­ra­de mas­siv in die Er­neue­rung von Ma­schi­nen, Fil­tern und Ka­ta­ly­sa­to­ren in­ves­tiert? Von wel­chen Emis­si­ons­wer­ten der Schiff­fahrt ging der Stu­dent dann bei sei­ner Ab­schluss­ar­beit aus?

Stu­di­en der Bun­des­an­stalt für Ge­wäs­ser­kun­de (BfG) und Be­rech­nungs­ver­fah­ren zur Er­mitt­lung der schiff­fahrts­be­ding­ten Luft­schad­stoff­be­las­tung an Was­ser­stra­ßen aus dem Jahr 2015 zei­gen, dass be­reits am Fluss­ufer, spä­tes­tens aber in ei­ner Ent­fer­nung von rund 100 Me­tern von der Fahr­rin­ne, kei­ne Zu­satz­be­las­tun­gen an Schad­stof­fen nach­weis­bar sind, die aus­schließ­lich von Bin­nen­schif­fen her­vor­ge­ru­fen wer­den. Wie kommt der Stu­dent in sei­ner Mas­ter­ar­beit also zu der Aus­sa­ge, dass die Schiff­fahrt für die Über­schrei­tung der Stick­oxid­grenz­wer­te in den In­nen­städ­ten ver­ant­wort­lich sei? Wer­den die Er­geb­nis­se der BfG-Stu­die in der Mas­ter­ar­beit be­han­delt und aus­rei­chend qua­li­fi­ziert wi­der­legt?

Eu­ro­pa­weit an­er­kann­te oder gar nor­mier­te Mess­me­tho­den zur Er­mitt­lung der auf die Bin­nen­schiff­fahrt ent­fal­len­den Schad­stoff­be­las­tun­gen in den In­nen­städ­ten gibt es bis heu­te nicht. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hat hier­zu kürz­lich ein Gut­ach­ten in Auf­trag ge­ge­ben. Ohne die Wis­sen­schaft­lich­keit der Mas­ter­ar­beit in Zwei­fel zu zie­hen muss die Skep­sis er­laubt sein, dass der Stu­dent die­se bis­lang of­fe­ne Fra­ge in sei­ner Aus­ar­bei­tung be­reits in ei­ner fach­lich be­last­ba­ren Wei­se be­ant­wor­tet hat.

Prof. Schre­cken­berg wird am 12. April vor den Aus­schüs­sen für Um­welt und Ver­kehr des Land­ta­ges NRW zum The­ma In­nen­stadt­ver­kehr und Schad­stoff­emis­sio­nen an­ge­hört. Es ist zu hof­fen, dass die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ihm hier­zu die rich­ti­gen Fra­gen stel­len wer­den.

 

Über den BDB e.V.:

Der 1974 ge­grün­de­te Bun­des­ver­band der Deut­schen Bin­nen­schiff­fahrt e.V. (BDB) ver­tritt die ge­mein­sa­men ge­werb­li­chen In­ter­es­sen der Un­ter­neh­mer in der Gü­ter- so­wie der Fahr­gast­schiff­fahrt ge­gen­über Po­li­tik, Ver­wal­tung und sons­ti­gen In­sti­tu­tio­nen. Mit­glie­der des BDB sind des­halb Par­ti­ku­lie­re, Ree­de­rei­en und Ge­nos­sen­schaf­ten. Auch För­der­mit­glie­der un­ter­stüt­zen die Ar­beit des BDB. Der Ver­band mit Sitz in Duis­burg und Re­prä­sen­tanz in Ber­lin be­zieht Stel­lung zu ver­kehrs­po­li­ti­schen Fra­gen und bringt sich ak­tiv in die Ge­stal­tung der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ein. Seit der Fu­si­on mit dem Ar­beit­ge­ber­ver­band (AdB) im Jahr 2013 ver­tritt der BDB auch die Be­lan­ge der Ver­bands­mit­glie­der in ar­beits-, ta­rif- und so­zi­al­recht­li­chen so­wie per­so­nal-, so­zi­al- und bil­dungs­po­li­ti­schen An­ge­le­gen­hei­ten und ist Ta­rif­ver­trags­part­ner der Ge­werk­schaft Ver­di. Der BDB be­treibt das in Duis­burg vor An­ker lie­gen­de Schul­schiff „Rhein“ – eine eu­ro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Aus-, Fort- und Wei­ter­bil­dungs­ein­rich­tung für das Bin­nen­schiff­fahrts­ge­wer­be.

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