Vorbildlicher Einsatz der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV): Baumaßnahmen im Kanalgebiet werden wegen Niedrigwasser abgekürzt und verschoben – BDB fordert Verzicht auf massive Stellenkürzungen in der WSV

Morgen findet auf Einladung des Bundesverkehrsministeriums die erste verkehrsträgerübergreifende „Koordinierungsrunde Niedrigwasser“ statt, um Möglichkeiten zur Bewältigung der Niedrigwassersituation auszuloten. Insbesondere wird es um eine größtmögliche Baustellenflexibilisierung bei Straße, Schiene und Wasserstraße gehen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte diese Maßnahme beim Niedrigwasser-Gipfel in der vergangenen Woche in Bonn angekündigt.

Bereits vor dem Termin ist festzustellen: Die WSV beweist in dieser Krisensituation Flexibilität und hat auf Antrag des BDB nun zwei anstehende Sperrungen im westdeutschen Kanalgebiet, das vor allem für die Rheinverkehre im Hinterland der großen Seehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen-Brügge eine wichtige Umfahrungsmöglichkeit darstellt, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Der BDB hatte mit Hinweis auf das eklatante Niedrigwasser am Rhein sowohl die Verschiebung der siebenwöchigen Vollsperrung der Schleuse Wanne-Eickel am Rhein-Herne-Kanal ab Ende August als auch die Verschiebung der dreiwöchigen Vollsperrung der Schleuse Dörpen am Küstenkanal ab Mitte August gegenüber den zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern „Westdeutsche Kanäle“ und „Ems-Nordsee“ beantragt. Beide Schleusenanlagen werden nun nicht mehr voll, sondern nur noch temporär für kurze Zeiträume gesperrt. Hierfür wird zum Beispiel beim WSA Ems-Nordsee sämtliches Personal in den Einsatz gebracht und Urlaube werden verschoben.

„Diese Maßnahmen sind sehr wichtig, um die durchgängige Schiffbarkeit der Kanäle gewährleisten zu können. Sie haben eine wichtige ‚Bypassfunktion‘ für den von Niedrigwasser betroffenen Rhein und stellen eine unverzichtbare Umfahrungsmöglichkeit für Gütertransporte dar“, erklärt BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen.

„Das pragmatische und engagierte Handeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung entspricht genau dem früheren Werbeslogan der WSV ‚Wir machen Schifffahrt möglich‘, und es zeigt, dass die Verwaltung voll handlungsfähig ist“, betont Jens Schwanen. „Klar ist aber auch: Wenn die Bundesregierung die geplanten massiven Stellenkürzungen von 2,2 % pro Jahr bis Ende des Jahres 2029 in der WSV umsetzt, kann die Schifffahrt bereits ab dem Jahr 2027 nicht mehr mit dieser Flexibilität rechnen, da den Ämtern dann schlichtweg das Personal fehlt, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können. Wir richten daher erneut den dringenden Appell an die Bundesregierung, auf diese drastische Personalkürzung zu verzichten. Die Personaleinsparungen sind vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, Verkehrssysteme künftig resilienter aufzustellen, absolut kontraproduktiv“, so Schwanen.

Hintergrund:

Die westdeutschen Kanäle haben für den Güterverkehr per Binnenschiff eine hohe Bedeutung. Pro Jahr werden rund 32 Mio. t Güter im Kanalgebiet transportiert. Die Schleuse Dörpen bildet das „Scharnier“ zwischen dem Küstenkanal und dem Dortmund-Ems-Kanal. Der Küstenkanal stellt eine wichtige Verbindung für Binnenschiffstransporte vom Wesergebiet in Richtung Niederlande und Belgien dar. Der Rhein-Herne-Kanal verläuft weitgehend parallel zum Wesel-Datteln-Kanal und ermöglicht Transporte in das östliche Ruhrgebiet und im weiteren Verlauf über den Dortmund-Ems-Kanal weiter in nördlichere Regionen sowie über den Mittellandkanal in den Osten der Republik.

 

Bildunterschriften:

Bild 1: An der Schleuse Wanne-Eickel werden nur die nötigsten Arbeiten unter laufendem Betrieb durchgeführt.

Bild 2: Auch die Schleuse Dörpen bleibt weitgehend für den Schiffsverkehr geöffnet.

Das Copyright beider Bilder liegt bei der WSV.

 

 

Über den BDB e.V.:

Der 1974 gegründete Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB) setzt sich für die verkehrs- und gewerbepolitischen Interessen der Unternehmer in der Güter- und Fahrgastschifffahrt gegenüber Politik, Verwaltung und sonstigen Institutionen ein. Der Verband mit Sitz in Duisburg und Repräsentanz in Berlin vertritt seine Mitglieder außerdem in sämtlichen arbeits- und sozialrechtlichen sowie bildungspolitischen Angelegenheiten und ist Tarifvertragspartner der Gewerkschaft Verdi. Er ist Gründungsmitglied des Europäischen Schifffahrtsverbandes EBU. Mitglieder des BDB sind Reedereien, Genossenschaften und Partikuliere, nationale und internationale See- und Binnenhäfen, wissenschaftliche Einrichtungen, Verbände sowie gewerbenahe Dienstleistungsunternehmen. Mit dem Schulschiff „Rhein“ betreibt der BDB eine europaweit einzigartige Aus- und Weiterbildungseinrichtung für das Schifffahrts- und Hafengewerbe.