Binnenschifffahrtsforum von BDB und VSL NRW in Neuss
Güterschifffahrt braucht leistungsfähige Flüsse und Kanäle!
Bundesregierung muss das Sondervermögen für die Wasserstraßeninfrastruktur nutzen und für eine langfristige Finanzierungslinie sorgen!
Nordrhein-Westfalen ist das „Binnenschifffahrtsland Nummer 1“: Nirgendwo werden so viele Güter über das Wasser transportiert wie hier, wo sich große Industrieanlagen längs des Rheins und im westdeutschen Kanalgebiet angesiedelt haben und die umschlagstärksten deutschen Binnenhäfen befinden. Dieser effiziente und besonders umweltschonende Gütertransport ist jedoch gefährdet, wenn die Infrastruktur nicht ertüchtigt, sondern weiter „auf Verschleiß“ gefahren wird. Darin waren sich die Teilnehmer des 8. Binnenschifffahrtsforums einig, das am vergangenen Mittwoch von den Verbänden BDB und VSL NRW in Neuss ausgerichtet wurde.
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: „Die Binnenschifffahrt ist essentiell für den Wirtschaftsstandort NRW. Sie transportiert große Mengen auf kostengünstige, sichere und umweltfreundliche Weise und sorgt für Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit in unserem Land. Trotzdem droht Substanzverlust bei den Bundeswasserstraßen, da diese nach wie vor unterfinanziert werden. Darum setzt sich die Landesregierung engagiert beim Bund dafür ein, dass mehr Geld für die Wasserstraße bereitgestellt wird und im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität berücksichtigt werden.“
Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB) erinnerte in seiner Begrüßungsansprache an den Anfang März getroffenen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz: „Alle 16 Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder richten den dringenden Appell an die Bundesregierung, Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur auch für Ausbaumaßnahmen an Flüssen und Kanälen zur Verfügung zu stellen und für eine ausreichende langfristige Finanzierungslinie der Wasserstraßen zu sorgen.“ Er skizzierte die Auswirkungen der Personalkürzungen, die der Bund bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) in den kommenden vier Jahren vornehmen will. Rund 1.000 Stellen sollen abgebaut werden, was massive Auswirkungen auf die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Wasserstraßeninfrastruktur haben wird. Ausbaumaßnahmen am Niederrhein oder der Ersatz der großen Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal werden sich dann über das vorgesehene Datum 2033 hinaus noch weiter verzögern und die Entwicklung der Schifffahrt ausbremsen.
Wie sehr die heimische Industrie auf die Güterschifffahrt angewiesen ist, erläuterte Timo Windhopf von der Neusser Ölmühle C. Thywissen der Ministerin Neubaur. 70 % schlägt das Familienunternehmen im Neusser Hafen über den Wasserweg um. „Ohne die Binnenschifffahrt gäbe es den Standort hier nicht“, so Windhopf, der zugleich für mehr klimafreundlichen Treibstoff in der Binnenschifffahrt warb: „Die Kunden fragen nach unseren Strategien in Bezug auf die Scope-3-Emissionen“, also indirekte Treibhausgase, die u.a. durch Transport- und Logistikprozesse entstehen.
VSL-Vorstandsmitglied Markus Krämer (HGK Logistics and Intermodal) weiß um die Bedeutung der Umschlagflächen in NRW: „Wir werden keine Hafenflächen aufgeben und daraus Flaniermeilen wie im Medienhafen in Düsseldorf machen. Logistikflächen sind der Lungenflügel der Wirtschaft!“ Er warnte: „Der ‚Kipppunkt‘ in der Logistik ist die Zuverlässigkeit. Wenn die in der Schifffahrt nicht gegeben ist, wird der Verkehrsträger gewechselt.“
BDB-Vorstandsmitglied Andreas Grzib (DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt) erläuterte, dass die Gütermengen auf dem Wasser zwar rückläufig sind. Die Statistik sei jedoch zu starr auf das transportierte Gewicht ausgerichtet. „Hochwertige Ladungen wie etwa Bauteile für Windenergieanlagen oder Hochleistungstransformatoren wiegen weniger als Massengüter wie Kohle, Erz, Steine oder Sand und sind deshalb in der Güterstatistik kaum zu finden. Sie sind aber ein wesentliches Ladungsgut für die industrielle und technologische Entwicklung des Landes.“ In Kürze wird das Bundesverkehrsministerium eine Studie zu den zukünftigen Märkten der Güterschifffahrt präsentieren.
In seinem Schlusswort fasste Moderator Dr. Rüdiger Ostrowski und Vorstand des Verbandes Spedition und Logistik die Positionen noch einmal zusammen. Es bestand völlige Einigkeit darin, dass das sog. Sondervermögen für die Wasserstraßen aufgemacht werden muss. Außerdem muss alles daran gesetzt werden, durch konkrete Maßnahmen wie steuerliche Entlastungen und eine funktionierende Infrastruktur, dass die Binnenschifffahrt im Wettbewerb der Verkehrsträger zulegen kann.
Bildunterschriften:
Bild 1:
v.l.n.r. BDB-Vorstandsmitglied Andreas Grzib (DTG eG), BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen, stellv. NRW-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Dr. Rüdiger Ostrowski (Geschäftsführer des geschäftsführenden VSL-Vorstands), VSL-Vorstandsmitglied Markus Krämer (HGK), Timo Windhopf (C. Thywissen)
Bild 2:
Auf dem Podium v.l.n.r.: BDB-Vorstandsmitglied Andreas Grzib (DTG eG), Timo Windhopf (C. Thywissen), stellv. NRW-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, VSL-Vorstandsmitglied Markus Krämer (HGK), Dr. Rüdiger Ostrowski (Geschäftsführer des geschäftsführenden VSL-Vorstands)
Fotos: Inga Geiser
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Über den BDB e.V.:
Der 1974 gegründete Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB) setzt sich für die verkehrs- und gewerbepolitischen Interessen der Unternehmer in der Güter- und Fahrgastschifffahrt gegenüber Politik, Verwaltung und sonstigen Institutionen ein. Der Verband mit Sitz in Duisburg und Repräsentanz in Berlin vertritt seine Mitglieder außerdem in sämtlichen arbeits- und sozialrechtlichen sowie bildungspolitischen Angelegenheiten und ist Tarifvertragspartner der Gewerkschaft Verdi. Er ist Gründungsmitglied des Europäischen Schifffahrtsverbandes EBU. Mitglieder des BDB sind Reedereien, Genossenschaften und Partikuliere, nationale und internationale See- und Binnenhäfen, wissenschaftliche Einrichtungen, Verbände sowie gewerbenahe Dienstleistungsunternehmen. Mit dem Schulschiff „Rhein“ betreibt der BDB eine europaweit einzigartige Aus- und Weiterbildungseinrichtung für das Schifffahrts- und Hafengewerbe.
Über den VSL NRW:
Der 1947 gegründete Verband Spedition & Logistik Nordrhein-Westfalen e.V. (VSL-NRW) vertritt durch seine Geschäftsstelle des nordrhein-westfälischen Speditionsgewerbes gegenüber den Kommunen und allen Behörden auf Landesebene. Die Interessenvertretung bezieht sich auf relevante Ländergesetze und sonstige Ländervorschriften in Fragen des Güterverkehrs, der Häfen, des Umweltrechts, regionaler, zollamtlicher Regelungen, der Steuern, örtlicher Entgeltregelungen und Polizeianordnung. Darüber hinaus steht die Geschäftsstelle den Behörden beratend zur Seite. Der VSL-NRW nimmt Einfluss auf und über die städtische Verwaltung im Bezug auf in Planung befindliche Bundesgesetze und -verordnungen sowie die örtliche Auslegung bestehender bundesweiter gesetzlicher Regelungen, Bebauungspläne und verkehrsregelnde Maßnahmen. Zum VSL-NRW gehören die Unternehmensberatung DiaLog GmbH, die Logistik Akademie NRW (LAN), das Versorgungswerk Spedition und Logistik e.V. sowie der Verein zur Förderung der Ausbildung in der Spedition e. V. (VAS).



